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Brustimplantat mit Eigenfett: "Sie haben danach ein richtig durchblutetes Brustgewebe"*

Redeker

Dr. med. Jörn Redeker

Chefarzt für plastische Chirurgie und Handchirurgie in der HELIOS St. Barbara Klinik Duisburg


veröffentlicht am 9. Februar 2012:

rheinruhrmed: Dr. Redeker, der Skandal um Billig-Brustimplantate aus Industrie-Silikon hat viele Frauen aufschrecken lassen. Ihre Klinik bietet den Brustwiederaufbau durch Eigenfett an. Ist das eine Alternative zum Silikon-Implantat?

Dr. med. Redeker: Das kann man so pauschal leider nicht sagen. Die Methode mit dem Eigengewebe, die so genannte „freie Lappenplastik“, ist zunächst einmal recht aufwändig, weil nicht bloß körpereigenes Gewebe in die Brust implantiert, sondern dieses dort auch mit den entsprechenden Blutgefäßen verbunden wird. Sie haben danach also wieder eine richtig durchblutetes Brustgewebe. Sie brauchen aber eben auch eine Klinik, die hierfür fundierte mikro-chirurgische Erfahrung besitzt. Im Vergleich dazu können klassische Silikonimplantate ja in nahezu jeder Klinik eingepflanzt werden. Wobei man auch sagen muss, dass Silikon nach wie vor das Mittel der Wahl bleibt, wenn es darum geht, die Brust aus ästhetischen Gründen zu vergrößern, also etwa von Körbchengröße B auf C oder von C auf D. Zumal es sich bei solchen Operationen oft um Selbstzahler-Eingriffe handelt und Silikon deutlich günstiger ist. Nur mal, um eine ungefähre Vorstellung zu geben: Die freie Lappenplastik ist ungefähr doppelt so teuer wie das Silikon-Implantat.

rheinruhrmed: Das heißt also, dass das Eigengewebe nur in medizinisch begründeten Fällen zur Anwendung kommt, also eher bei Brustkrebs-Patientinnen, denen eine Brust abgenommen werden musste?

Dr. med. Redeker: Richtig, es geht hierbei schließlich um die Wiederherstellung der Brust und nicht um eine Vergrößerung. Solch eine Brust-Rekonstruktion ist übrigens gar nicht so selten, da immer noch in 20 Prozent der Brustkrebs-Fälle die Brust amputiert werden muss. Aber natürlich muss man auch hier wieder im Einzelfall entscheiden. Bei einer Brustkrebs-Patientin mit einem biologischen Alter von 70 oder 80 Jahren kann es aufgrund der körperlichen Verfassung auch Sinn machen, eher auf das Silikonimplantat zurückzugreifen, weil der Eigengewebe-Eingriff zu belastend wäre. Immerhin dauert so eine Operation vier bis sechs Stunden. Je nach dem, wie groß die Patientin und damit die Brust ist.

rheinruhrmed: Übernehmen Krankenkassen diesen Eingriff?

Dr. med. Redeker: Wenn er medizinisch indiziert ist, ja. Das ist in Fällen, in denen die Brust nach einer Brustkrebs-Operation amputiert werden musste, aber die Regel. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen sich ein Silikom-Implantat mehrmals verkapselt hat, also vom Körper der Patientin in einen schmerzhaften Narbenpanzer eingemauert wurde. Auch dann ist es medizinisch begründet, auf die Eigenfett-Therapie zurückzugreifen, und auch dann übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten.

rheinruhrmed: Bei dem Eingriff entnehmen Sie körpereigenes Fett – etwa vom Bauch – und verpflanzen es in die Brust. Nun ist es aber doch so, dass Fettzellen quasi „ein Gedächtnis“ haben und wissen, woher sie stammen und welche Funktion sie haben. Ist es nicht ein Problem, eine Bauchfettzelle in der Brust zu haben?

Dr. med. Redeker: Nein, in der Brust nicht. Aber es kann durchaus unschön aussehen, wenn Sie eine Bauchfettzelle beispielsweise zur Unterpolsterung von Gesichtsfalten nutzen. Nimmt ein solcher Patient dann zu, speichern seine Bauchfettzellen entsprechend ihrer Aufgabe im Körper Fett – und dies dann eben auch im Gesicht. Das kann mitunter zu grotesken Verformungen führen. Bei der Brust ist das anders bzw. hier ist es nicht so dramatisch, weil Bauch und Brust recht gleichmäßig zu- und abnehmen.

rheinruhrmed: Bleiben die Fettzellen dann auch in der Brust? Oder wandern sie ab?

Dr. med. Redeker: Es gibt tatsächlich Zellen, die im menschlichen Körper wandern. Aber das Gewebe, das wir in die Brust verpflanzen, wandert nicht, keine Sorge. Wir entnehmen schließlich der Patientin am Bauch einen Gewebeverbund von Haut und Fett und nicht freie einzelne Fettzellen. Genau dieser Umstand macht es notwendig, die versorgenden Blutgefäße, die durch die Muskulatur in das Fettgewebe hineinragen, für die Ernährung frei zupräparieren und erneut an Blutgefäße anzuschließen. Man kann natürlich je nach Fettablagerung bei einer Patientin auch Gewebe aus den Innenseiten der Oberschenkeln oder vom Po nehmen. Spätestens beim Po jedoch ergibt sich die Schwierigkeit, dass Sie die Patientin während der Operation umlagern müssen, um an den Po zu gelangen. An das Bauchgewebe kommen Sie, ohne den Patienten zu drehen.

rheinruhrmed: Erfolgt der Eingriff über kleine Schnitte endoskopisch?

Dr. med. Redeker: Nein, zum einen brauchen sie ja zur Rekostruktion der Brust eine ebensogroße Unterhautgewebemenge wie die Brust der Gegenseite, zum anderen benötigen sie Platz, die einzelnen Gefäße sauber herauszuarbeiten. Sie brauchen also einen entsprechenden Zugriff auf das Operationsfeld. Deshalb müssen wir den Schnitt am Bauch von dem einen Beckenschaufelknochen bis zum anderen ansetzen. Wir können die Narbe aber auch so positionieren, dass sie anschließend im Unterwäsche-Bereich verschwindet. Das heißt, es ist auch noch danach möglich Bikini-Mode zu tragen.

rheinruhrmed: Wie lange müssen die Patientinnen nach der Operation im Krankenhaus bleiben?

Dr. med. Redeker: Das hängt vom Einzelfall und natürlich auch von der Wundheilung ab, aber in der Regel sind die Patientinnen nach sieben bis zehn Tagen wieder zu Hause. Einige sind es auch schon früher.

rheinruhrmed: Ist die Brust anschließend wieder voll funktionstüchtig?

Dr. med. Redeker: Nein, denn mit dem Eingriff haben wir ja nur Fett, nicht aber etwa das Drüsengewebe eingesetzt, das bei der Brustkrebs-Operation entfernt wurde. Das heißt, die Brust wird nicht in der Lage sein, Drüsensekret, also Muttermilch bilden zu können. Was man jedoch sagen kann, ist, dass die rekonstruierte Brust nach dem Eingriff in Form und Aussehen nahezu perfekt wiederhergestellt ist.

rheinruhrmed: Gibt es Patientinnen, zum Beispiel extrem dünne oder alte, denen Sie von der Eigenfett-Therapie abraten?

Dr. med. Redeker: Das kann man so nicht sagen. Bei extrem dünnen Frauen muss schließlich unter Umständen gar nicht viel Gewebe an die Brust verpflanzt werden, so dass auch hier der Eingriff Sinn macht. Und was das Alter der Patientin betrifft, bin ich der Überzeugung, dass das biologische Alter und nicht etwa das im Personalausweis entscheidend ist.

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