Dr. Josef Leßmann
Psychiater und Ärztlicher Direktor der LWL-Psychiatriekliniken Lippstadt und Warstein
Jodtabletten bunkern, Geigerzähler kaufen: Die japanische Reaktorkatastrophe ruft hierzulande Angstreaktionen hervor. Verständlich aus psychologisch-psychiatrischer Sicht?
Dr. Leßmann: Visualisierte und unmittelbar per Internet oder Fernsehen übertragene Schreckensbilder erinnern uns sehr viel schneller als früher an die eigene Zerbrechlichkeit und potentielle Hilflosigkeit. Wir sind als soziale Wesen geprägt, Mitleid zu verspüren und um die eigene Gefährdung zu wissen.
Wenn dann hinzukommt, dass - wie in diesem Fall - Auslöser für eine Katastrophe in Rede stehen, welche zumindest vom Prinzip her auch bei uns vorhanden und störanfällig sind, kann dies schnell eine emotional aufgeheizte Diskussion hervorrufen, bei der auch nicht nur von Vernunft geleitete Argumente und Verhaltensweisen zum Tragen kommen.
Wie schützt man sich am besten vor Panikgefühlen?
Dr. Leßmann: Bei Panikattacken oder Panikgefühlen besteht der erste Schritt der Bearbeitung immer darin, sich das reale Angst auslösende Objekt möglichst in Ruhe und mit Abstand anzusehen, sich Für und Wider der Gefährdung zu verdeutlichen, neutrale Experten zu Wort kommen zu lassen, um die nötige objektive Distanz in der Bewertung zu erreichen. Je mehr Informationen man sich über das Angst machende Objekt einholt, desto größer wird die Chance, subjektiv einen sachgerechten Abstand zu erhalten, von dem aus die Beurteilung einer Gefährdung rationaler wird.
Ohnmacht vor dem Unspürbaren - macht radioaktive Strahlung den Menschen ein besonders subtiles Angstgefühl?
Dr. Leßmann: Hier wirkt wohl die Unausweichlichkeit und die unkalkulierbare Schädigung, welche eine radioaktive Strahlung für den Menschen bzw. biologische Organismen haben kann. Die Ahnung davon, was im Körper dadurch alles geschädigt werden kann und dass Krankheiten - vor allem Krebserkrankungen - hervorgerufen werden können, die bis heute nur schwer therapeutisch anzugehen sind, hinterlässt nicht nur ein resignatives Gefühl, sondern kann tatsächlich konkrete Angst auslösen. Dieses Unkalkulierbare und diese Ohnmacht erzeugen verständlicherweise Unbehagen, Angst, bis hin zur irrationalen Hysterie.
Spüren Sie als Behandler bei Ihren Patienten ausgeprägte Sensibilitäten aufgrund der aktuellen Vorkommnisse in Japan?
Dr. Leßmann: Sowohl bei ambulanten wie auch bei stationären Patientinnen und Patienten wird das Thema sehr wohl diskutiert. Besondere Intensitäten habe ich dabei aber aktuell nicht wahrnehmen können, wohl aber nachvollziehbare Sorgen wie in der übrigen Bevölkerung auch.
(Quelle: LWL; redaktionell bearbeitet: rrm)
- 17.03.11 -
Weitere Links auf rrm:
![]() |
![]() |
|||
|---|---|---|---|---|
Fuß-Chirurgie: Vom Dekolleté zum Zeh-kolleté - Fußchirurg Adrian Wiethoff über die plastischen Methoden bei der Fuß- oder Zehenkorrektur - bloß ein Trend in den USA? [Füße...] |
Gefäßverschluss: Strahlen halten Beingefäße länger offen - Dr. med. Brock über Gefäßverengungen in den Beinen und die Behandlung durch radioaktive Strahlen [Gefäßverschluss...] |
Stents: Pro Patient ließe sich ein Stent sparen - Dr. med. Bojara erklärt, warum Stents zu leichtfertig gesetzt werden und wie sich prüfen lässt, ob sie überhaupt helfen [Stents...] |
Bookmarken / Empfehlen Sie diese Seite auf:
/
/
/
/
/
/
/
/
/
/
/
/
/ ![]()
* Die hier wie überall auf rheinruhrmed.de angebotenen Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz ärztlichen Rates angesehen werden. Diese Internetseite kann und darf NICHT benutzt werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Bei Beschwerden oder Fragen jeglicher medizinischer Art konsultieren Sie bitte direkt Ihren Arzt oder Apotheker.
| Tipps & Termine |
Augen: 01.03.2012, Makuladegeration, was tun?, Prof. Harald Schilling, Klinik für Augenheilkunde, im St.-Johannes-Hospital Dortmund, Konferenzraum 5, 19.00 Uhr. Geschlecht: 08.03.2012, Gesundheitsforum: WEIBLICHES GESCHLECHT: RISIKOFAKTOR ODER SCHUTZ FAKTOR BEI SEELISCHEN KRANKHEITEN? Dr. med. Thomas Finkbeiner (Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie im Ev. Krankenhaus Lütgendortmund) / Prof. Dr. med. Susanne Hagen (Fachhochschule Düsseldorf, Fachgebiet Sozialmedizin, insbes. Sozialpsychiatrie), Ev. Krankenhaus Lütgendortmund, Volksgartenstr. 40, 44388 Dortmund, Telefon: (0231) 6188-0, Telefax: (0231) 6188-211, E-Mail: info@evk-luedo.de |
| NEWSLETTER BESTELLEN |
News von rrm RHEIN RUHR MED
Sie wollen über aktuelle Interviews mit Ärzten und News aus der Medizin auf dem Laufenden bleiben? Da haben wir was für Sie [mehr...] oder folgen Sie uns über:
Meist geklickt im Monat Oktober 2011:
Eine Ära geht zu Ende: Mit der neuen Generation von Blutverdünnern bekommt der Klassiker Marcumar® Konkurrenz. Prof. Dr. med. Marc Horlitz erklärt, was von den neuen Mitteln zu halten ist [mehr...]
Meist geklickt in 2010:
Jedes Jahr werden allein in Deutschland über 200.000 Patienten an der Schilddrüse operiert. Prof. Dr. Dr. med. Walz erklärt, worauf es bei einer solchen Operation ankommt und wie operiert wird [mehr...]
| AUSGEWÄHLTE BEITRÄGE - ÜBERSETZT: |