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Vorhoffflimmern

Vorhofohr am Herzen fördert Schlaganfallrisiko

Vorhofflimmern, eine sehr verbreitete Herzrhythmus-Störung, kann gefährliche Folgen haben. Weil es die Bildung von Blutgerinnseln fördert, führt es schlimmstenfalls zum Schlaganfall. Ein neues Verfahren, das jetzt erstmals am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil angewandt wurde, verringert das Risiko einer Gerinnselbildung im Herzen erheblich.

Dabei wird eine kleine Tasche im linken Vorhof des Herzens, das sogenannte linke Vorhofohr, mit einem Ballon verschlossen: Denn darin entstehen besonders häufig die gefährlichen Gerinnsel. Schlaganfälle können auf diese Weise vermieden werden. Die Kardiologische Klinik des Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mügge) hat dieses Verfahren erstmals am 28. Oktober 2011 durchgeführt – ein Novum in der Region des mittleren und östlichen Ruhrgebietes.

Medikamente zur Schlaganfallvorbeugung: Nicht für alle Patienten geeignet

Schätzungen zufolge leiden mehr als eine Million Menschen in Deutschland unter Vorhofflimmern. Dabei treten unkontrollierte elektrische Impulse auf, die den normalen Herzrhythmus stören. Ein zu schneller oder unregelmäßiger Herzschlag ist die Folge. Weil dadurch der Blutfluss gestört wird, kann das Blut leichter verklumpen: Es bilden sich Gerinnsel. Werden solche Blutpfropfen über die Gefäße ins Gehirn transportiert und führen sie dort zu Gefäßverschlüssen, kann es zum Schlaganfall kommen. Medikamente können zwar die Blutgerinnung reduzieren und damit die Gerinnselbildung verhindern. Jedoch erfordert die Behandlung eine sehr präzise Dosierung und ständige Blutkontrollen. Außerdem wird die medikamentöse Behandlung nicht von allen Patienten vertragen, weil sie teils erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringt oder gefährliche Blutungen auslösen kann. „Unglücklicherweise haben diese Patienten sehr häufig auch ein hohes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden“, erklärt Prof. Mügge. „Bisher befanden sie sich deshalb in einer nicht lösbaren Zwickmühle.“

Vorhofohr wird mit Kathetertechnik verschlossen

Für diese Patienten ist die neuartige Technik gedacht: der Vorhofohrverschluss. Das Behandlungsteam der Kardiologischen Klinik mit dem Leitenden Oberarzt Dr. Thomas Lawo und Assistenzarzt Dr. Leif Bösche hat diesen Eingriff erstmals an zwei Patienten durchgeführt. Hierbei wird ein spezieller Katheter in die rechte Leistenvene des Patienten eingeführt und bis ins Herzinnere vorgeschoben. Im linken Vorhofohr des Herzens wird mittels des Katheters ein Drahtgeflecht mit einem kleinen Ballon platziert und dort aufgespannt. Weil das Vorhofohr für die Herzfunktion ohne Bedeutung ist, kann es bedenkenlos verschlossen werden.

Neue Therapieoption in schwierigen Behandlungssituationen

Der Eingriff dauert etwa 60 Minuten, eine Vollnarkose ist nicht erforderlich. Innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen wächst der Ballon durch körpereigene Zellen ein. Zukünftig können im linken Vorhofohr faktisch keine Blutgerinnsel mehr entstehen. Das Risiko eines Schlaganfalls wird somit deutlich reduziert und die Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten ist nicht mehr erforderlich. Dabei gelingt der Eingriff grundsätzlich bei mehr als 90 Prozent der behandelten Patienten. „Ab sofort können wir diese neue Technik unseren Patienten anbieten“, sagt Prof. Mügge. „Sie ist ein wichtiger Schritt, um auch Patienten mit einem hohen Schlaganfallriskio einerseits und einem hohen Blutungsrisiko andererseits helfen zu können.“

- 28.11.2011 -

(Quelle: Bergmannsheil Bochum; redaktionell bearbeitet: rrm)

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