Das unabhängige Online-Gesundheitsmagazin
 

Herzinsuffizienz

Verborgene Schlafstörung gefährdet Herzpatienten

Das Schlaflabor des Thoraxzentrums Ruhrgebiet am Evangelischen Krankenhaus Herne nimmt nach eigenen Angaben zur Zeit an einer der größten internationalen Studien teil, die bislang in der Schlafmedizin durchgeführt worden sind. Ziel dieser Studie sei es herauszufinden, ob eine Behandlung der schlafbezogenen Atmungsstörungen bei Patienten, die unter einer Pumpschwäche des Herzens (einer chronischen Herzinsuffizienz) leiden, die körperliche Verfassung der Betroffenen deutlich verbessert. „Sollten diese positiven Effekte durch die Studie bewiesen werden - und so sieht es eigentlich jetzt schon aus -, dann wird diese Erkenntnis einen wichtigen Einfluss auf die zukünftige Therapie von Herzinsuffizienz-Patienten haben und zu einer Erhöhung ihrer Lebenserwartung und einer Verbesserung ihrer Lebensqualität führen“, erklärt Dr. Martina Neddermann, leitende Oberärztin der Schlaflabore Thoraxzentrum Ruhrgebiet und Leiterin des Studienzentrums.

Mögliche Schlafstörung: "Schlafapnoe" und "Cheyne-Stokes-Atmung"

Es gibt zwei Arten von Schlafstörungen. Die bekannteste ist die obstruktive Schlafapnoe, bei der der Patient während der Nacht unter Atemaussetzern leidet. Das zweite sind die zentralen schlafbezogenen Atmungsstörungen oder auch Cheyne-Stokes-Atmung genannt. Bei der Cheyne-Stokes-Atmung kommen die Atemaussetzer nicht durch die blockierten oberen Atemwege zustande, sondern durch eine Fehlsteuerung des Atemzentrums im Gehirn. Diese Störungen treten während des Tages und insbesondere während der Nacht auf. Problematisch ist, dass diese Störungen von den Patienten oder ihren Angehörigen häufig nicht wahrgenommen werden.

Patienten, die an einer Herzinsuffizienz erkrankt sind, klagen häufig über Luftnot bei körperlicher Belastung oder in schwereren Fällen sogar über Luftnot in Ruhe. Weitere Beschwerden sind geschwollene Knöchel oder Unterschenkel, häufiges nächtliches Wasserlassen und unruhiger Schlaf. Durch die schlafbezogene Atemstörung mit deutlichen Atempausen von bis zu 30 bis 40 Sekunden während des Schlafens kann es zu einem drastischen Sauerstoffabfall kommen. Dadurch bedingt entsteht ein Sauerstoffmangel in Organen wie Herz, Gehirn oder Niere, was zu einer Verschlechterung der Organfunktionen führt. Die durch den Sauerstoffabfall automatisch verursachte Weckreaktion und die fehlende Tiefschlafphase haben eine Verschlechterung der körperlichen Leistungsfähigkeit zur Folge und verursachen ein Gefühl von Müdigkeit, Schlappheit und mangelnder Erholung.

Kardiologen für Phänomen sensibilisiert

Diese Tatsache macht die Cheyne-Stokes-Atmung gerade für Herzinsuffizienz-Patienten so gefährlich. Denn zusätzlich zu der ohnehin schon vorhandenen Pumpschwäche des Herzens kommt eine weitere Minderung der Pumptätigkeit durch die Cheyne-Stokes-Atmung hinzu. „Hier setzen wir an, indem wir alle Kardiologen und Hausärzte der Region für dieses Phänomen sensibilisieren und gemeinsam mit den Kollegen die Patienten ambulant voruntersuchen, um heraus zu finden, welcher Patient im Weiteren in unserer Klinik schlafmedizinisch diagnostiziert und gegebenenfalls mittels einer Schlafmaske therapiert wird“, sagt Dr. Martina Neddermann. Bislang habe man festgestellt, dass rund 50 Prozent der an einer Herzinsuffizienz erkrankten Patienten auch unter schlafbezogenen Atemstörungen leiden. Davon sind die Hälfte der Patienten an einer nächtlichen Atemstörung mit den Symptomen und Folgen der Cheyne-Stokes-Atmung erkrankt. Die nach der Diagnostik erfolgte Beatmungstherapie mittels Atemmaske (während der Nachtruhe) führte bei allen Patienten bereits zu einer subjektiv deutlich spürbaren Verbesserung von Lebensqualität und körperlichem Leistungsvermögen.

Ergebnis voraussichtlich Anfang 2013

In der Serve-HF-Studie spielt das Schlaflabor an der Hordeler Straße in Wanne-Eickel eine zentrale Rolle. Das Thoraxzentrum Ruhrgebiet weist nach eigenen Angaben von allen europaweiten Studienzentren die höchste Teilnehmerzahl auf und ist somit das größte kardiologisch-schlafmedizinische Netzwerk der Welt. Beteiligt sind Kardiologen aus Herne, Bochum, Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Dortmund, Witten, Marl und Gladbeck. Federführend sind dabei die Kardiologie-Praxis Dr. Karl-Georg Furche, Dr. Jürgen Schlichting, Dr. Peter Staubach und die Gemeinschaftspraxis Dr. Michael Tenholt, Dr. Gerold Metzger, Dr. Bettina Drexling. Stationär im EvK behandelte Patienten werden von Prof. Dr. Friedrich Jockenhövel, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, betreut.

Gestartet wurde die Studie im Januar 2008, mit dem endgültigen Ergebnis ist voraussichtlich Anfang 2013 zu rechnen. Ziel ist es, dass alle Herzinsuffizienz-Erkrankten künftig automatisch auch schlafmedizinisch untersucht werden, um so gemeinsam mit den Kardiologen einen höheren Therapie-Erfolg und damit eine Verbesserung der Lebensqualität für die betroffenen Patienten erreichen zu können.

(Quelle: Ev. Krankenhaus Herne; redaktionell bearbeitet: rrm)

Bookmarken / Empfehlen Sie diese Seite auf:
twitter/ yigg/ mister wong / delicious / digg / facebook / folkd / google.de / linkarena / yahoo / studivz / stumbleupon/ newsvine / reddit

 

Selbsthilfegruppen
   

Bochum
Bottrop
Dortmund
Essen
Gelsenkirchen
Hamm
Hattingen

Hilden
Krefeld
Mülheim
Oberhausen
Recklinghausen
Troisdorf
weitere...
   

Loading

 

herzrisiko

Aidshilfe

Tipps & Termine
 

Herz: 26.04.2012, 18.00 Uhr, Dr. med. Bernd Hufnagel (Chefarzt Innere Medizin im Ev. Krankenhaus Bethanien): KORONARE HERZKRANKHEIT – MODERNE DIAGNOSTIK UND THERAPIE, Virchowstr. 4, 44263 Dortmund-Hörde, Tel. 0231-9430-0 • Fax: 0231-9430-333

Schwindel: 03.05.2012, Schwindel - Diagnostik und Therapie, Susanne Hogrefe, CURAvita; Dr. Horst Luckhaupt, CA Klinik für HNO, im St.-Johannes-Hospital Dortmund, Konferenzraum 5, 19.00 Uhr.


NEWSLETTER BESTELLEN

NewsletterNews von rrm RHEIN RUHR MED
Sie wollen über aktuelle Interviews mit Ärzten und News aus der Medizin auf dem Laufenden bleiben? Da haben wir was für Sie [mehr...]
oder folgen Sie uns über:

Follow rheinruhrmed on Twitter

 

Aidshilfe

DAS EMPFEHLEN UNSERE USER:

horlitzMeist geklickt im Monat Oktober 2011:
Eine Ära geht zu Ende: Mit der neuen Generation von Blutverdünnern bekommt der Klassiker Marcumar® Konkurrenz. Prof. Dr. med. Marc Horlitz erklärt, was von den neuen Mitteln zu halten ist [mehr...]


walzMeist geklickt in 2010:
Jedes Jahr werden allein in Deutschland über 200.000 Patienten an der Schilddrüse operiert. Prof. Dr. Dr. med. Walz erklärt, worauf es bei einer solchen Operation ankommt und wie operiert wird [mehr...]

 

AUSGEWÄHLTE BEITRÄGE - ÜBERSETZT:

polen   tuerkei   frankreich