Eine neuartige Gefäßstütze (Stent) aus Magnesium haben Kardiologen am Universitätsklinikum Essen nach Angaben des Hauses nun bei den ersten Patienten implantiert. Der Vorteil des neuen Stents: Er löst sich dank einer neuen Magnesium-Legierung langsamer auf als sein Vorgänger.
Darüber hinaus nutzt er zur Beschichtung ein Medikament, das die überschießende Gewebe-Neubildung verhindert. „Damit gelang erneut einem Team aus Essen als erste Universitätsklinik in Deutschland einen Meilenstein in der Behandlung von erkrankten Herzkranzgefäßen zu setzen“, freut sich Prof. Raimund Erbel, Direktor der Kardiologie am UK Essen.
An Stents kann sich normalerweise ein Blutgerinnsel bilden
Bei der Behandlung von verengten Herzkranzgefäßen brachte die Aufweitung von Gefäßen mit dem Ballonkatheter 1977 einen Durchbruch in der Behandlung von Herzgefäßen. Die eigentliche weite Verbreitung dieser innovativen Therapieform war aber erst möglich, nachdem 1988 die Einsetzung von Gefäßstützen folgte.
Ein Kollaps der Gefäße wurde nicht mehr beobachtet. Dafür aber ein überschießendes Gewebewachstum, das die Gefäßstützen zusetze. Die Einführung einer Beschichtung der Stützen, so die Uni-Klinik, konnte dieses Problem fast vollständig beheben. Allerdings war dies mit einem neuen, aber seltenem Problem verbunden – der akuten Gerinnselbildung, die sogar Herzinfarkte auslösen kann.
Kardiologie lernt vom Tunnelbau
„Wenn ein Tunnel gebaut wird, kann nach Aushärtung des Betons die Verschalung entfernt werden. Warum sollte dies nicht auch beim Menschen möglich sein“, erläutert Prof. Raimund Erbel. Sind die Gefäße nämlich einmal aufgeweitet und abgestützt, bleiben die Gefäße offen, die Gefäßstütze wird nicht mehr benötigt. Damit die Gefäßstütze sich auflöst, entwickelten deutsche Forscher die Verwendung von Magnesium an der Stelle von Stahl oder Kobalt-Chrom Legierungen.
Am Universitätsklinikum in Essen setze Prof. Erbel in Essen 2004 weltweit dann den ersten Magnesium-Stent bei einem Patienten ein. Und tatsächlich: Der Stent löste sich auf. Aber dieser Prozess verlief zu schnell und die Gefäße verengten sich erneut. Den Forschern der Firma Biotronik, Berlin, gelang nun mit der Entwicklung des neuen Magnesium-Stents der Durchbruch.
- 02.09.2010 -
(Quelle: Uni-Klinik Essen; redaktionell bearbeitet: rrm)
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