Spezialisten sprechen von chronischem Schmerz, wenn der Schmerz seine Warnfunktion verloren hat und als eigenständige Erkrankung über längere Zeit weiter besteht. Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund zehn Millionen Menschen von chronischem Schmerz betroffen. Je nachdem wie lange der Schmerz schon besteht, welche Medikamente der Patient einnimmt und welche „Patientenkarriere“ er hinter sich hat, ordnen Schmerztherapeuten die Chronifizierung einer Stufe von 1 bis 3 zu. Da oft viele Jahre vergehen, bis Betroffene spezialisierte Hilfe finden, ist die Chronifizierung bei vielen Patienten von Schmerzzentren und -praxen weit fortgeschritten. „Bisher sah man die Erfolgsaussichten einer Schmerztherapie in höheren Chronifzierungsstadien sehr pessimistisch“, sagt Prof. Dr. Michael Hüppe vom Universitätsklinikum Lübeck, einer der Autoren der Studie. „Bisher hatte aber noch niemand an einem größeren Patientenkollektiven mit unterschiedlichen Schmerzdiagnosen überprüft, inwiefern die Stadienzuordnung überhaupt eine Prognose zulässt.“
Genau das nahmen die Forscher nun in Angriff. Sie analysierten die Daten von über 1.400 Patienten deutscher Schmerzzentren und -praxen, welche mit dem Qualitätssicherungsinstrument QUAST ermittelt worden waren. Die DGSS hatte QUAST 1998 eingeführt. Es zeigte sich, dass fast 45% der Patienten den Erfolg ihrer Behandlung sehr gut oder gut einschätzten. Nur 5% beurteilten ihn als schlecht. Bei Kopfschmerz konnten dabei die besten Ergebnisse erzielt werden (56% erfolgreich), Patienten mit Nervenschmerzen waren am wenigsten zufrieden (41,9% erfolgreich). Diese Ergebnisse waren weitgehend unabhängig vom Grad der Chronifizierung. „Die Annahme, dass Schmerztherapie bei hohem Chronifizierungsstadium nicht mehr hilft, stimmt also nicht“, so Hüppe. „Auch diese Patienten profitieren deutlich von der Behandlung“.
Titelaufnahme:
M. Hüppe et.al.: Behandlungserfolg auch bei höherer Schmerzchronifizierung? In: Der Schmerz 2011; 25, S. 77-88, DOI 10.007/s00482-010-0999-7
(Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes; redaktionell bearbeitet: rrm)
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