Kennzeichen der Erkrankung ist eine Muskelschwäche, die typischerweise unter Belastung deutlich schlechter wird und sich in Ruhe wieder bessert. Ursache ist eine fehlgesteuerte Immunreaktion, die Myasthenie wird daher zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen gezählt. Fehlgesteuerte Antikörper bewirken eine Störung der Impulsübertragung zwischen Nerv und Muskel.
Beim gesunden Menschen wird an der Kontaktstelle zwischen Nerv und Muskel ein bestimmter Botenstoff (Acetylcholin) ausgeschüttet. Er wird vom Muskel durch entsprechende Rezeptoren aufgenommen. Bei Myasthenikern werden diese Rezeptoren durch Antikörper blockiert und verändert. Diese Antikörper sind bei den meisten Erkrankten im Blut nachweisbar.
Aber die Antikörper blockieren nicht nur die Übertragung des Nervenimpulses auf die Muskel, sondern sie zerstören auch Muskelbestandteile. Prof. Gereon Fink, Direktor der Neurologischen Klinik der Uniklinik Köln, erklärt: „Zu Beginn klagen viele Patienten im Laufe des Tages und wenn sie müde sind über Doppelbilder und eine Müdigkeit der Oberlider. Diese oft zunächst auf die Augen beschränkte Muskelschwäche breitet sich dann bei vielen Patienten auf andere Muskelgruppen, so die Sprech-, Schluck- und mimische Muskulatur aus.
In schweren Fällen kann die gesamte Muskulatur einschließlich der Atemmuskulatur betroffen sein, so dass schwer betroffene Myasthenie-Patienten sogar intensivmedizinische Hilfe benötigen. Der Schweregrad der Erkrankung ist von Patient zu Patient verschieden.“ Myasthene Beschwerden werden auch durch banale grippale Infekte oder aber eine Vielzahl von Medikamenten verstärkt. Letzteres ist auch der Grund dafür, dass Fink noch erheblichen Aufklärungsbedarf nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei Ärzten und Medizinstudenten sieht.
„Für die Behandlung von Myasthenie-Patienten sind spezielle Kenntnisse in der Neurologie aber auch in Neurologischen Intensivmedizin nötig“, erläutert Prof. Walter Haupt, Leitender Oberarzt der Neurologie, Spezialist für Muskelerkrankungen und Leiter des Myastheniezentrums. „Seit vielen Jahren ist die Neurologische Klinik der Uniklinik Köln mit der Versorgung von Patienten mit Myasthenie befasst. Es gibt nur wenige Zentren in Deutschland, die ausreichend Erfahrung in der Diagnostik und differenzierten Behandlung der Myasthenie aufweisen.“
Das Zertifizierungsverfahren für Myastheniezentren der Deutschen Myasthenie Gesellschaft e.V. (DMG) zeichnet sich dadurch aus, dass es in der Verantwortung einer Selbsthilfeorganisation von Menschen mit dieser Erkrankung durchgeführt wird. Betroffene Patienten wissen oft aus eigener Erfahrung, welchen scheinbaren Kleinigkeiten bei der Diagnosestellung und Behandlung erhebliche Bedeutung zukommt. Diese Aspekte wurden bei der Erarbeitung der Kriterien für die Zertifizierung besonders berücksichtigt, so dass Patientensicherheit, Patientenorientierung sowie medizinisch-pflegerische Qualitätsaspekte bei diesem Verfahren einen herausragenden Stellenwert besitzen.
- 31.01.2011 -
(Quelle: Uni-Klinik Köln; redaktionell bearbeitet: rrm)
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