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Herzbericht 2010

Saarland und die neuen Bundesländer bilden das Schlusslicht in der Sterbestatistik

In den neuen Bundesländern und im Saarland sterben deutlich mehr Menschen an Herzkrankheiten als im Bundesdurchschnitt. Das geht aus dem Herzbericht 2010 hervor, der am 01.10.2010 auf der "2. Fokustagung Herz" der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik in Duisburg vorgestellt wurde.

Zigarettenkonsum, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel

„Gemessen am Bundesdurchschnittswert weisen bei der altersbereinigten Sterbeziffer der Herzkrankheiten Hamburg, Berlin sowie Bremen die niedrigsten und Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie Brandenburg vergleichsweise die höchsten Werte auf. Während in Hamburg 18,1 Prozent Sterbefälle weniger als der Bundesdurchschnitt zu verzeichnen sind, sind es in Sachsen-Anhalt 23,3 Prozent mehr“, erläuterte Ernst Bruckenberger, Autor des Herzberichtes.

Als Gründe für die zum Teil deutlich voneinander abweichenden Sterbeziffern in den einzelnen Bundesländern werden unter anderem die unterschiedliche Lebensweisen aufgrund der sozialen Situation mit Zigarettenkonsum, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel, aber auch Schnelligkeit, Qualität und Organisation des Rettungsdienstes vermutet. "Doch gibt es auch in Regionen mit geringer Arbeitslosigkeit teilweise überdurchschnittliche Sterbeziffern, sodass wir letztlich über die Ursachen nur spekulieren können“, so die Experten.

Kritisch wird von den Fachmedizinern im Rahmen des Herzberichts 2010 der starke Anstieg kathetergestützter Herzklappenimplantationen kommentiert. Die Patienten müssten anhand von Fakten besser über alle zur Verfügung stehenden Behandlungsverfahren mit ihren Vor- und Nachteilen informiert werden, appellierte Prof. Dr. med. Friedhelm Beyersdorf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), an Herzchirurgen und Kardiologen.

Anstieg der kathetergestützten Aortenklappen-Eingriffe um 5000 Prozent (!)

Bei rund 12.000 Patienten haben die deutschen Herzchirurgen im Jahr 2009 die erkrankte Aortenklappe ersetzt oder rekonstruiert. Seit Kurzem steht mit der kathetergestützten Aortenklappenimplantation ein Verfahren zur Verfügung, bei dem die Herzklappenprothese unter Zuhilfenahme eines Katheters mit Zugang über die Leistenarterie („transfemoral“) oder über die Herzspitze („transapikal“) eingepflanzt wird.

Die Anzahl dieser kathetergestützten Aortenklappenimplantationen hat sich von 2006 auf 2009 von 41 auf 2.152 erhöht, was eine Steigerung um über 5.000 Prozent darstellt. Seit Beginn des Jahres 2010 wird diese Behandlung über eine Fallpauschale im G-DRGKatalog vergütet, was potenziell wirtschaftliche Anreize zum Einsatz dieser Behandlungsform mit sich bringt. Um die Einführung dieses innovativen Therapieverfahrens wissenschaftlich konsequent zu begleiten, wurde von den Fachgesellschaften der Herzchirurgen und Kardiologen das Deutsche Aortenklappenregister eingerichtet, welches kurz-, mittel- und langfristige Ergebnisse zu den verschiedenen Therapiemöglichkeiten liefern soll.

Klappenersatz per Katheter bislang nur in Ausnahmefällen zu empfehlen

Bis das Register die notwendigen wissenschaftlich-fundierten Aussagen ermöglicht, gelten weiterhin die Festlegungen eines gemeinsamen Positionspapiers der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der DGTHG. Danach werden Entscheidungen zur Durchführung einer kathetergestützten Aortenklappenimplantation gemeinsam von Herzchirurgen und Kardiologen getroffen, die Therapie von beiden gemeinsam in Kliniken mit
kardiologischer und herzchirurgischer Fachabteilung durchgeführt wird und ausgewählten multimorbiden Menschen über 75 Jahren vorbehalten bleibt.

„Die Entwicklung der Fallzahlen bei der kathetergestützten Aortenklappenimplantation lässt vermuten, dass nicht in jedem Fall gemäß den Vorgaben der beiden Fachgesellschaften die für den Patienten beste Behandlungsmethode ausgewählt wird“, äußerte sich der DGTHG-Präsident
Prof. Beyersdorf.

Überlebensraten bei Herzoperationen konstant

Besonders stolz zeigte sich Beyersdorf angesichts der Entwicklung der Überlebensrate nach Herzoperationen: „Bei der Bypass-Operation haben wir eine bereits weit über ein Jahrzehnt konstante Überlebensrate von rund 97 Prozent. Und dies, obwohl der Anteil der Patienten über 70 Jahren in den letzten zehn Jahren von 37 auf fast 51 Prozent angewachsen ist und diese Patienten immer öfter neben der Herzerkrankung an zahlreichen weiteren Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck leiden.“

Eine ganz ähnliche Entwicklung sei bei den Aortenklappenoperationen zu beobachten, die in den deutschen herzchirurgischen Abteilungen im vergangenen Jahr durchgeführt wurden. Hier sei die Überlebensrate auf einen neuen Rekordwert von 97,1 Prozent gestiegen, was auch im internationalen Vergleich hervorragend sei. Nicht umsonst würden die deutschen Herzchirurgen weltweit zur Spitzengruppe ihres Fachs gezählt, so Professor Beyersdorf.

(Quelle: DGTHG; redaktionell bearbeitet: rrm)

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