
(Schaubild: Das menschliche Gehirn und seine Zentren)
Opa spinnt in letzter Zeit ein bisschen. Und die alte Erbtante ist jedes Mal verwirrter. „Das gehört zum Alter dazu, da verkalkt man einfach ein bisschen“, sagen Verwandte und Bekannte. Doch stimmt das auch? Denn aus medizinischer Sicht ist der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit kein normaler Prozess bei älteren Menschen, sondern eine behandlungsbedürftige Erkrankung wie andere körperliche Krankheiten auch. Sie tritt einfach nur häufiger im Alter auf. Der medizinische Ausdruck für diese Störung der Hirnleistungsfunktion ist „Demenz“.

Unter dem Begriff Demenz wird eine Vielzahl von unterschiedlichen Erkrankungen zusammengefasst. Gemeinsam ist allen, dass sie zu einem Verlust der Hirnleistung und der Intelligenz führen und Gedächtnisstörungen auftreten. „Ganz typisch ist dabei die Verschlechterung der Sprache, des Denkvermögens oder der Vorstellungskraft. Alles zusammen führt dann dazu, dass die betroffene Person mehr und mehr ihre
(Foto: Tests zur Diagnose)
Selbstständigkeit verliert und nicht mehr dazu in der Lage ist, die praktischen Dinge des Alltags alleine zu erledigen,“ erläutert der Diplom Sozialpädagoge Carsten Brandenberg aus der Memory Clinic des Elisabeth-Krankenhauses in Essen. Der Psychometriker – zu deutsch: Gedächtnistester – weiß, wovon er spricht. Täglich führt er gemeinsam mit seinen Kollegen im Geriatrie-Zentrum Haus Berge, zu der die Memory Clinic gehört, Gedächtnis-Checks durch. Und das nicht nur bei älteren, sondern auch bei jüngeren und ganz jungen Patienten. „Von einer Demenz sprechen wir, wenn die Gedächtnisstörungen wenigstens ein halbes Jahr andauern und stetig zunehmen“, erklärt Brandenberg.
Es gibt vielfältige Ursachen für eine Demenz. Die Fachleute unterscheiden vor allem zwei Typen. „Es gibt die primäre und die vaskuläre Demenz,“ erläutert der Fachmann. „Von einer primären Form wird gesprochen, wenn es zu einem schleichenden und schrittweisen Nachlassen der Hirnfunktion kommt und diese unwiederbringlich verloren geht. Die häufigste primäre Form ist Alzheimer, bei dem aus bisher noch ungeklärten Ursachen Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns zugrunde gehen.“ In Deutschland leiden etwa eine Millionen Menschen – die meisten davon sind über 60 – an einer Demenzerkrankung, rund 700.000 davon sind an Alzheimer erkrankt.
Weitere 200.000 Menschen sind von der vaskulären Demenz, der zweithäufigsten Demenzform betroffen. Grund sind vor allem Durchblutungsstörungen, durch die das Gehirn dauerhaft geschädigt werden kann. „Bei der vaskulären Demenzform sind organische Erkrankungen, wie z.B. Hirntumore, Hirnverletzungen, -geschwulste, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder auch eine Vielzahl – oft unbemerkter – kleiner Schlaganfälle ursächlich für den geistigen Verfall verantwortlich. Aus der dann auftretenden verminderten Durchblutungsleistung in bestimmten Hirnbereichen folgt die Leistungsstörung“, erklärt Prof. Dr. Hans Georg Nehen, Leiter des Geriatrie-Zentrums Haus Berge. „Betroffen sind hierbei vor allem Gehirnbereiche, die insbesondere für die Kontrolle des Gedächtnisses, der Lernfähigkeit und der Sprache verantwortlich sind.“
Die Abnahme der Gedächtnisleistung und des Denkvermögens äußert sich in einem verminderten Erinnerungsvermögen, dem Unvermögen gedankliche Inhalte aufzunehmen bzw. neue gedankliche Inhalte wiederzugeben und Zusammenhänge zu erfassen. Das hat zur Folge, dass sowohl das Urteilsvermögen des Patienten als auch das Sprach- und Rechenvermögen betroffen sind, bei fortschreitendem Krankheitsbild kommt es zu einer Zerstörung der Persönlichkeit. Schon Handlungen und Tätigkeiten des normalen Alltags, wie das morgendliche Aufstehen, Waschen, Putzen, Kochen oder Einkaufen sind von der Abnahme der Hirnfunktion betroffen, so dass der Kranke auf Hilfe angewiesen ist. „Der Umgang mit Demenzkranken ist für Pflegende und Angehörige eine große Herausforderung. Nicht nur, dass ein geliebter Mensch sich total verändern kann, die Betroffenen zeigen auffällige Stimmungsschwankungen und ein Verhalten, dass enthemmt, aggressiv, depressiv oder unkontrollierbar sein kann“, weiß der Facharzt aus der täglichen Praxis.
Neben Alzheimer und der durch organische Ursachen entstandenen Demenz gibt es eine ganze Reihe weiterer Erkrankungen, die demenzähnliche Krankheitszeichen aufweisen. Diese Erkrankungen treten seltener auf, doch das Gehirn und seine Leistungen können ähnlich beeinträchtigt sein. „Schilddrüsenerkrankungen und Stoffwechselstörungen wie ein Vitamin B12-Mangel oder Infektionen des Gehirns, beispielsweise Meningitis, können zu einer Demenz führen. Durch eine chronische Alkoholsucht oder durch Drogenkonsum kann das Gehirn ebenfalls großen Schaden nehmen. Selbst typische Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Hypertonie – der Bluthochdruck – können durch Hirngefäßschädigungen Symptome einer Demenz hervorrufen. Auch Arzneistoffe können zu einer verminderten Hirnleistungsfunktion führen. Im Gegensatz zum Alzheimer sind diese Hirnleistungsstörungen aber durchaus reversibel,“ erläutert der Spezialist aus Essen.
Jeder vergisst schon mal einen Termin oder eine Telefonnummer oder ist gelegentlich zerstreut und vergesslich oder hat Probleme, die richtigen Worte zu finden. Und wer kennt das nicht, eine neue Stadt und man hat sich schon wieder auf dem Weg zum Auto verlaufen. Jeder, der viel zu tun hat, Stress am Arbeitsplatz oder zu Hause ausgesetzt ist, wird dies bestätigen können. „Um eine beginnende Demenz beispielsweise von einer Stress oder Stoffwechsel bedingten Hirnleistungsstörung auszuschließen, bedarf es einer kritischen Differenzialdiagnostik“, so Prof. Dr. Nehen. „Die Unterscheidung, ob eine Demenz aufgrund einer sekundären Erkrankung vorliegt oder Alzheimer verantwortlich ist, ist nicht immer einfach zu diagnostizieren. Bei der Diagnosestellung arbeiten wir in der Memory Clinic im Team, machen Tests und führen mit dem Patienten und den Angehörigen Gespräche, deren Ergebnisse in einer Konferenz zusammen getragen werden. Gerade Angehörige sind bei der Diagnosestellung von großer Bedeutung, da die Betroffenen die Symptome zum Teil selbst nicht wahrnehmen oder auch nicht wahrhaben wollen.“
Bevor über eine umfassende Therapie nachgedacht wird, müssen im Vorfeld internistische, psychische und Gefäßerkrankungen sowie mögliche andere Ursachen der Hirnleistungsstörung unbedingt ausgeschlossen werden. „Bedauerlicherweise gibt es Fälle, in denen zwar kein Alzheimer vorliegt, aber in denen die Nervenzellen, unter anderem durch die schädigende Wirkung von Alkohol oder Drogen, so stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, dass eine irreversible und fortschreitende Demenz die Folge und eine Heilung nicht mehr möglich ist“, erklärt Prof. Dr. Nehen. „Doch Dank der umfassenden Differenzialdiagnostik können ursächliche Erkrankungen wie z.B. ein bis dato unbekannter Bluthochdruck oder eine Stoffwechselstörung – die eine Hirnfunktionsstörung zur Folge haben können – festgestellt und wirksam therapiert werden. In vielen Fällen regeneriert sich danach die geistige Leistungsfähigkeit des Gehirns wieder und die Betroffenen können ihr alltägliches Leben normal weiterführen.“
(Quelle; auch Fotos: EKE; redaktionell bearbeitet: rrm)
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Augen: 01.03.2012, Makuladegeration, was tun?, Prof. Harald Schilling, Klinik für Augenheilkunde, im St.-Johannes-Hospital Dortmund, Konferenzraum 5, 19.00 Uhr. Geschlecht: 08.03.2012, Gesundheitsforum: WEIBLICHES GESCHLECHT: RISIKOFAKTOR ODER SCHUTZ FAKTOR BEI SEELISCHEN KRANKHEITEN? Dr. med. Thomas Finkbeiner (Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie im Ev. Krankenhaus Lütgendortmund) / Prof. Dr. med. Susanne Hagen (Fachhochschule Düsseldorf, Fachgebiet Sozialmedizin, insbes. Sozialpsychiatrie), Ev. Krankenhaus Lütgendortmund, Volksgartenstr. 40, 44388 Dortmund, Telefon: (0231) 6188-0, Telefax: (0231) 6188-211, E-Mail: info@evk-luedo.de |
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