An einer ersten Befragung der Universität Witten/Herdecke im November 2008 und April 2009 nahmen 73 Altenpflegeeinrichtungen mit ca. 6000 Bewohnern teil. Das Ergebnis: Im Durchschnitt tragen etwa die Hälfte der Bewohner Risiken für eine Mangelernährung, weil sie nicht ausreichend essen oder trinken können, weil sie keinen Appetit haben oder schwer krank sind.

Um gesundheitliche Folgen zu vermeiden, ergreifen die Altenheime bereits zahlreiche Maßnahmen: Sie legen Wert auf Zwischenmahlzeiten und reichern das Essen energie- und eiweißreich an. Über die Hälfte der Bewohner haben eine Demenz, eine Krankheit, bei der Mangelernährung nur mit größten Anstrengungen zu verhindern ist.
Mangelernährung: ein Alltagsphänomen?
Vorbild aus den Niederlanden
In den Niederlanden werden solche Befragungen bereits seit 1998 regelmäßig durchgeführt: "Dort haben die Untersuchungen gezeigt, dass die langfristigen Beobachtungen die Pflegenden sensibilisieren. Das hilft schon sehr dabei, die Probleme frühzeitig zu verhindern", blickt die Organisatorin der Tagung, Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik, über die Landesgrenzen. "In Deutschland hinken wir mit solche Studien noch hinterher." In Deutschland gibt es zwar immer wieder aufgeregte Zeitungsberichte über alte Menschen in Heimen, die nicht richtig versorgt werden, aber es gibt keine genauen Zahlen darüber. "Alle glauben immer, in Deutschland gäbe es alle Statistiken schon und wir bräuchten nicht noch mehr Fragebögen. Leider ist das falsch", erklärt Bartholomeyczik. "Mit dem vorliegenden Instrument aus den Niederlanden können wir aber nicht nur die Probleme beleuchten, sondern auch feststellen, was zur Vorbeugung getan wird, welche Maßnahmen die Heime ergreifen, um die Nahrungssituation zu sichern. So einfach es in unserem Land mit vielen eigentlich übergewichtigen Bürgern klingt - es ist außerordentlich schwierig, die pflegebedürftigen alten Menschen angemessen zu ernähren.
Das liegt daran, dass die Pflege Kenntnisse benötigt und dass Personal da sein muss, das auch Zeit hat." Daher kooperieren die Wittener Pflegewissenschaftler mit der Forschergruppe an der Universität Maastricht, um von deren Forschungsmethoden etwas nach Deutschland zu importieren. "Gerade für die Altenpflege brauchen wir Daten, die auch von den Einrichtungen genutzt werden können, um an ihren Schwachstellen anzusetzen und ihre Stärken zu erkennen. Dafür erhält jedes Heim seine eigenen Ergebnisse, die es dann mit dem Landesdurchschnitt vergleichen kann. Und dies kann auch von den Kontrollorganen wie dem MDK und der Heimaufsicht genutzt werden", beschreibt Bartholomeyczik die Grundlagen für die Studie.
Für die Zukunft ist geplant, weitere Pflegephänomene in ähnlicher Weise zu erfassen, vor allem Dekubitus, Stürze und Inkontinenz.
(Quelle: idw-online; redaktionell bearbeitet: rrm)
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